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Wenn Kinder kommerzialisiert werden – Ferrero registriert .kinder

Die Flut an neuen Top-Level-Domains lässt nicht nach. Während viele generische Endungen zur freien Verfügung stehen, sichern sich auch oftmals Markeninhaber ihre Marken als TLD, um ihre Marken zu schützen und neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen.
So hat sich der italienische Süßwarenhersteller Ferrero am 9. Oktober 2015 die Domainendung .kinder gesichert. In einer Stellungnahme der Firma heißt es: „Kinder' ist eine internationale Marke der Ferrero-Gruppe.“ Weiter sagt sie: „Die Nutzung der Top Level Domain geschah aus Markenschutzgründen, wie dies durchaus üblich ist."
Die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) hat die Domain vor kurzem freigeschaltet. Sie vergibt jedoch jede Domain-Endung nur einmal, weshalb Ferrero nun exklusiv über diese verfügen kann.
Dem steht in Deutschland jedoch gegenüber, dass das Wort „Kinder“ als beschreibend angesehen. Somit wird ein Begriff exklusiv genutzt, der, zwar als eine Marke geschützt, aber in der deutschen Sprache auch sehr geläufig ist. Laut Jeanette Hoffmann, Direktorin des Humboldtinstituts für Internet und Gesellschaft, ist „[die] Freischaltung von .kinder […] aus deutschsprachiger Sicht daher hochgradig problematisch.“ Denn es werden unter der Domainendung .kinder keine Freizeitangebote, Kitas, Schulen oder Tipps für Eltern zu finden sein, sondern Werbeseiten die Ferrero-Produkte anpreisen. „Das Beispiel .kinder zeigt, wie ungeheuer schwer es ist, eine einheitliche globale Namenspolitik zu entwickeln“, so Hoffmann weiter.
Auch der deutsche Kinderschutzbund zeigt sich empört und ist mit der exklusiven Nutzung des Begriffes durch ein kommerzielles Unternehmen nicht einverstanden. Anja Berger, Fachreferentin beim Kinderschutzbund, geht sogar noch weiter: „Der Begriff 'kinder' wird als Handelsobjekt missbraucht.“ Die parlamentarische Staatssekretärin im Familienministerium Caren Marks protestierte schriftlich bei der ICANN, jedoch ohne Erfolg. Gegen die Kommerzialisierung des Begriffes „Kinder“ wolle das Ministerium sich jedoch wehren, so heißt es.
Proteste gegen die Domainendung gibt es seit dem Bekanntwerden der Bewerbung von Ferrero im Juni 2014. Die Bewerbung für .kinder liegt der ICANN aber schon länger vor. Diese hatte ein Einspruchsfenster für Bewerbungen von Juni 2012 bis März 2013 vorgesehen. Damals wurde kein Einspruch erhoben.
Ferrero hält währenddessen weiter an seinen Markenrechten fest. In nicht deutschsprachigen Ländern wird 'kinder' allein als Marke beziehungsweise Markenname von Ferrero wahrgenommen.

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